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Vergessene Ruinen des Industriezeitalters in Bildern
Fabriken, die aufgegeben wurden
By Daniel Coughlin · December 31, 2022
Fabriken, die aufgegeben wurden
In besseren Zeiten arbeiteten hier zehntausende Menschen, inzwischen liegen die folgenden Fabriken, Kraftwerke und Hallen still, verfallen zusehends und warten auf den endgültigen Abrissbescheid – oder eine Umwidmung. Klicken Sie sich hier durch 14 verlassene Industriegebäude, die an eine Zeit erinnern, als im Westen noch ein Großteil der Bevölkerung in der Produktion arbeitete.
Hartford-Spinnerei, Oldham, England
Die Hartford-Fabrik im englischen Oldham war von 1907 bis in die 1950er eine Baumwollspinnerei. Als die Konkurrenz aus dem Ausland die Produktion vom Markt verdrängte, wurde sie in ein Lagerhaus umgewandelt. Bis Anfang der 1990er lagerte der Einzelhändler Littlewoods darin seine Waren. Nach dessen Auszug aber war die ehemalige Spinnerei dem Verfall geweiht. Und das, obwohl das Gebäude eigentlich unter Denkmalschutz steht.
Hartford-Spinnerei, Oldham, England
2014 fegte ein verheerendes Feuer durch die Gemäuer, ein Jahr später starb ein Teenager, der durch das Dach gefallen war. Tatsächlich war die verfallene Spinnerei Schauplatz von 250 Unfällen innerhalb von drei Jahren und wurde schon als Todesfalle bezeichnet. Es überrascht wenig, dass das Gebäude nun abgerissen wird.
Crystal Mill, Crystal, USA
Diese marode ehemalige Kompressorstation über dem Crystal River im Westen Colorados zählt Berichten zufolge zu den meistfotografierten Bauwerken des amerikanischen Bundesstaates. Das 1893 unweit der Sheep Mountain Mine erbaute Werk wurde 1917 gleichzeitig mit dieser stillgelegt und ist seither ungenutzt.
Crystal Mill, Crystal, USA
1985 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und im Laufe der Jahre haben Anwohner und Denkmalschutzvereine mit Nachdruck daran gearbeitet, die inzwischen ziemlich verrottete Holzkonstruktion zu erhalten. Das Bauwerk in seiner ganzen Pracht zu besichtigen, ist alles andere als einfach: Es ist nur in den wärmeren Monaten zugänglich – und auch dann nur mit Allradantrieb.
Vallone dei Mulini, Sorrent, Italien
Diese höhlenartige Bergspalte im Ferienort Sorrent nahe Neapel geht auf einen Vulkanausbruch vor 35.000 Jahren zurück. Hier entstand eine Reihe von Sägewerken und Getreidemühlen, von denen das erste Gebäude aus dem zehnten Jahrhundert datiert.
Vallone dei Mulini, Sorrent, Italien
Heute ist nur noch eine der längst verlassenen Produktionsstätten erhalten, die, völlig mit Grün überwuchert, einen bemerkenswerten Anblick bietet. Kein Wunder, dass das vergessene Gebäude inzwischen eine der beliebtesten Touristenattraktionen von Sorrent – und einer der am meisten fotografierten verlassenen Orte der Welt – ist.
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White Bay Power Station, Sydney, Australien
Das älteste Energiekraftwerk von Sydney, die White Bay Power Station im Vorort Rozelle, ging 1917 in Betrieb und wurde Mitte der 1920er sowie Mitte der 1940er erweitert. Doch 1983 kam das Aus für die Kohleanlage und in den 1990ern wurde sie vollständig dekontaminiert.
White Bay Power Station, Sydney, Australien
Seit 1999 steht die Anlage unter Denkmalschutz und wird bestmöglich erhalten. Das ehemalige Kraftwerk dient seit seiner Stilllegung immer wieder als Drehort für Fernseh- und Filmproduktionen, darunter etwa „Matrix Reloaded“ und „Der große Gatsby“. Dazu schwirren immer wieder Pläne durch den Raum, dass das verlassene Gebäude in einen Mix aus Wohn-, Shopping- und Freizeitkomplex umgewandelt werden soll.
Canada Malting Silos, Montréal, Kanada
Diese imposante Getreidemalzfabrik wurde um 1905 neben dem Lachine-Kanal in Montréals Saint-Henri-Viertel erbaut und ist seither ein Wahrzeichen der Gegend. In ihren besten Zeiten produzierte die Anlage 113.000 Kilogramm Malz pro Jahr und belieferte eine Vielzahl lokaler Brennereien und Brauereien.
Canada Malting Silos, Montréal, Kanada
1980 wurde die Fabrik verkauft und diente in den darauffolgenden neun Jahren als Soja- und Maislager. Seither verfällt sie zusehends, ist aber immer wieder Schauplatz urbaner Kunstprojekte, darunter etwa einer Lichtshow und einer riesigen Maskenkunstinstallation. Das Gemeinschaftskollektive „A Nous la Malting“ versuchte, 45 Millionen kanadische Dollar (30 Mio. Euro) zu sammeln, um das Gebäude in Sozialwohnungen umzuwandeln. Im August 2018 erhielt man vom Südwestbezirk 10.000 kanadische Dollar (6.700 Euro) zur Entwicklung eines Projektplans. „A Nous la Malting“ konkurrieren jedoch mit Renwick Development, die zuvor bereits einen eigenen Vorschlag für 120 Millionen kanadische Dollar (80 Mio. Euro) eingereicht hatten. Dieser sieht vor, die Ex-Fabrik in 160 Familien- und 60 Sozialwohnungen umzubauen.
Kiddie Kloes Factory, Lansford, USA
Dieses Fabriksgebäude in Lansford, Pennsylvania, besteht seit 1904. Anfangs wurde hier Seide verarbeitet, doch nachdem die deutlich billigeren Alternativen Viskose und Nylon diese immer mehr vom Markt verdrängten, wurde aus Kiddie Kloes die Kleiderfabrik Rosenau. Das Unternehmen war besonders für sein Label Cinderella bekannt – die Lieblingsmarke von Kinderstar Shirley Temple.
Kiddie Kloes Factory, Lansford, USA
1988 wurde das Unternehmen aufgelöst, doch eine Gruppe ambitionierter Mitarbeiter kaufte die Maschinen auf und gründete das Label Kiddie Kloes. Dieses ereilte jedoch dasselbe Schicksal wie Rosenau und so wurde das Werk 1996 endgültig geschlossen. Das Gebäude und der Großteil der Einrichtung sind noch heute vorhanden, obwohl ihr Zustand schon einmal besser war. Medienberichten zufolge versuchen Anwohner, die Fabrik zu retten und im besten Fall zu sanieren. 2017 wurde Kiddie Kloes Factory offiziell auf Pennsylvanias Liste gefährdeter Gebäude gesetzt.
Millennium Mills, London, England
Die Millennium Mills sind eines der Überbleibsel der industriellen Vergangenheit Londons und eine der wenigen großen Fabriken in der britischen Hauptstadt, die noch nicht von der Abrissbirne getroffen oder umgewidmet wurden. Das Werk in Silvertown stammt aus der Zeit um die Jahrhundertwende, das Hauptgebäude wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1950ern wieder aufgebaut. In seiner Blütezeit beschäftigte die Mehlfabrik 100.000 Mitarbeiter.
Millennium Mills, London, England
1981 wurde das Werk geschlossen. Seither diente es mehrmals als TV- und Filmset, verfällt aber zusehends. 2015 wurde die Genehmigung erteilt, die Millennium Mills für 3,5 Millionen Pfund (4,1 Mio. Euro) umzugestalten. Nachdem das Gebäude dekontaminiert war, sollte der Umbau Anfang 2021 beginnen. Doch dann kam Corona und der Start wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.
Tonedale-Spinnerei, Wellington, England
Die Tonedale Mills im englischen Wellington wurden im 18. Jahrhundert erbaut und erlebten im darauffolgenden Jahrhundert ihre Blütezeit. Die Wollspinnerei war für ihr Taunton-Serge-Tuch bekannt und produzierte in ihren besten Zeiten täglich 6,5 Kilometer Stoff.
Tonedale-Spinnerei, Wellington, England
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinkte Südenglands größte Wollfabrik zusehends der billigeren Konkurrenz aus dem Ausland hinterher und musste schließlich zusperren. In den 1980ern wurde das Gebäude weitgehend aufgegeben, Teile werden jedoch bis heute von kleinen Handwerksbetrieben genutzt.
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Oustau-Keramikfabrik, Aureilhan, Frankreich
Eines der optisch ansprechendsten verlassenen Industriegebäude auf dieser Liste ist die Oustau-Keramikfabrik in der südfranzösischen Stadt Aureilhan, auch als „Rote Fabrik“ bekannt. Sie wurde 1873 vom Industriellen Laurence Oustau erbaut, der eine einzigartige Technik für Glasbausteine perfektioniert hatte.
Oustau-Keramikfabrik, Aureilhan, Frankreich
Die besten Tage erlebte die Fabrik in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, doch danach wurde sie zusehends weniger rentabel und schloss 1970 ihre Türen. Das Gebäude wurde 1994 unter Denkmalschutz gestellt, befindet sich jedoch bis heute in einem baufälligen Zustand. Eine Sanierung wäre dringend notwendig.
Tintic-Metallraffinerie, Genola, USA
Dieses bizarre Gebäude, das von 1920 datiert, ist die Ruine einer ehemaligen Metallraffinerie. Die Tintic Standard Reduction Mill in Geola, Utah, war nur vier Jahre in Betrieb, da sich die spezielle Technologie, auf der sie beruhte, schnell als veraltet herausstellte.
Tintic-Metallraffinerie, Genola, USA
Das Werk selbst wurde dem Verfall überlassen, doch die Fundamente für die Wassertanks, Brecher, Röster, Eisenkästen, Laugentanks und Abflussboxen sind bis heute erhalten. Mit bunten Graffitis übersät, könnten sie nicht mehr aus der umliegenden Hügellandschaft herausstechen.
Textilfabrik, Forst, Deutschland
Diese ehemalige Textilfabrik in Forst wurde 1923 von zwei jüdischen Brüdern erbaut, im Zweiten Weltkrieg aber übernahmen die Nazis das Werk. Nach Kriegsende und bis zum Mauerfall 1989 wurde es als Verwaltungsgebäude genutzt. Seither steht es leer.
Textilfabrik, Forst, Deutschland
Neben den ehemaligen Industriegebäuden selbst ist auch eine Reihe herrschaftlicher, aufwendig gebauter Villen erhalten geblieben, in denen einst die Fabriksbesitzer wohnten. Heute sind ein paar von ihnen restauriert, der Rest ist so gut wie verfallen.
Petroplus-Ölraffinerie, Reichstett, Frankreich
Diese 1963 eröffnete Ölraffinerie im französischen Reichstett war in Besitz von Total, bevor sie an Shell überging. 2007 wurde sie an das Schweizer Unternehmen Petroplus verkauft, das damals führend auf Europas Ölmarkt war.
Petroplus-Ölraffinerie, Reichstett, Frankreich
Petroplus musste das Werk 2010 aus finanziellen Gründen schließen und ging zwei Jahre später in Konkurs. Obwohl es immer wieder Pläne gab, die Raffinerie in einen Ölterminal umzuwandeln, rostet die Anlage bis heute vor sich hin und wird nach und nach von der Natur zurückerobert.
Packard-Autofabrik, Detroit, USA
Die 1903 eröffnete Packard-Autofabrik in Detroit erstreckt sich über eine Fläche von 400 Quadratkilometern und gilt als die weltweit erste moderne Autoproduktionsstätte. Zu Spitzenzeiten beschäftigte das Werk 40.000 Menschen in mehr als 80 verschiedenen Abteilungen.
Packard-Autofabrik, Detroit, USA
Nach der Pleite der Packard Car Company wurde die riesige Fabrik 1958 geschlossen, beherbergte aber bis Ende der 1990er andere Unternehmen. Danach mutierte der größte verlassene Industriekomplex der Welt zur Location für Underground-Rave-Partys und zog Stadtentdecker in Scharen an. Nachdem die Autobrücke des Werks auf die Straße gestürzt war, wurden drei Gebäude 2019 abgerissen. Aktuell steht die Fabrik zum Verkauf.
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Continental Gummi-Werke, Hannover-Limmer, Deutschland
Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und in den 1920ern erweitert, blicken die Hannoverschen Gummiwerke, später Continental Gummi-Werke, in Hannover-Limmer auf eine abwechslungsreiche Geschichte zurück: Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten hier Zwangsarbeiter, die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen ausgesetzt waren.
Continental Gummi-Werke, Hannover-Limmer, Deutschland
Gegen Kriegsende hin wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt, 1945 aber wieder aufgenommen und bis 2000 fortgesetzt. Nach der Stilllegung tummelten sich urbane Abenteurer und Fotojäger auf dem Gelände. Doch die Tage sind inzwischen vorbei: Das Gebäude wurde 2018 abgerissen. Auf dem Gelände entsteht seit 2019 eine moderne Wohnsiedlung.
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